Juniorforum in Seoul 2025

Ein Bericht aus der Arbeitsgruppe „Gemeinsam vielfältig: Integration im Spannungsfeld von Migration und demografischem Wandel“

(von Kiana Seydin)

In unserer AG 3 beschäftigten wir uns mit den Themen Migration, Integration und demografischer Wandel – drei hochaktuelle und bedeutende Herausforderungen, sowohl für Südkorea als auch für Deutschland. Die Geburtenraten sind in beiden Ländern alarmierend niedrig (Deutschland: 1,35; Südkorea: 0,75), wodurch sie vor einer großen Herausforderung stehen. In diesem Kontext wird Migration oft als mögliche Lösung diskutiert – und das war auch unser Diskussionsthema. Bereits im Vorfeld des Juniorforums fanden mehrere Videokonferenzen statt, in denen wir uns jeweils auf einen dieser Themenschwerpunkte konzentrierten. Nach einem inhaltlichen Input durch unseren Mentor Muhong, ging es in die Diskussion zwischen uns Teilnehmer*innen. So konnten wir uns bereits ein wenig kennenlernen und eine gute Grundlage für unsere Zusammenarbeit beim Juniorforum schaffen.

Am Morgen des 11.09.2025 war der zweite Tag des Juniorforums und damit der Beginn unserer AG-Arbeit. Zu diesem Zeitpunkt waren wir alle noch voller Energie, aber da wusste auch noch niemand wie lange der Tag noch werden würde. Wir sind in unsere Arbeit mit einem Rollenspiel gestartet: Jede*r von uns hat von Muhong eine Rolle mit zugehöriger Rollenbeschreibung erhalten. Das ging von der Mitarbeiterin einer Einwanderungsbehörde, über eine Parlamentsabgeordnete bis hin zu einem Geflüchteten, einer Migrantin oder einer koreanischen Studentin. Aus der Perspektive unserer jeweiligen Rolle sollten wir das Gespräch mit anderen Personen suchen – sei es, um Fragen zu stellen, Forderungen zu äußern oder Unterstützung zu suchen. So gelang es uns unmittelbar in das Thema einzutauchen und uns in verschiedene Perspektiven hineinzudenken. Zwischendurch tauschten wir uns in der Gruppe über unsere Erkenntnisse aus und hielten diese schriftlich fest. Das diente uns später als Grundlage für unsere Handlungsempfehlungen.

Eindrücke aus unseren Arbeits-Sessions

Nach dem Abendessen sollte es von 20:00-22:00 Uhr in die letzte Runde des Tages gehen. Allerdings war schon früh klar, dass wir deutlich mehr Zeit benötigen würden, um unseren eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Während das erste Rollenspiel die Situation in Deutschland thematisierte, fokussierte sich ein zweites auf Südkorea. Auch hier übernahmen wir vielfältige Rollen – von einer Abgeordneten und NGO-Vertreterin über eine Heiratsmigrantin und einen pakistanischen Fabrikarbeiter bis hin zu einer deutschen Austauschstudentin. Erneut haben wir rege diskutiert und vertieften unser Verständnis für die Problemlagen und Herausforderungen im jeweiligen Land. Ich hatte viel Freude daran auf diese kreative Art und Weise ein so komplexes Thema zu diskutieren und unsere unterschiedlichen Perspektiven darüber auszutauschen.

Gruppenbild

Präsentation unserer Ergebnisse durch Michelle und Seohyeon

Da wir um 22:00 Uhr den Raum verlassen mussten, verlegten wir unsere Arbeit kurzerhand in ein nahegelegenes Café – zum Glück haben in Südkorea einige Cafés auch spätabends noch geöffnet. Für so manche Nachteule war die Uhrzeit kein Problem, aber bei dem ein oder anderen – mich eingeschlossen – setzte zu diesem Zeitpunkt langsam die Müdigkeit ein. Wir teilten uns in zwei Gruppen auf, um mit dem Schreiben zu beginnen. Während die eine Gruppe nun die Handlungsempfehlungen formulierte, arbeitete die andere an dem Text über „Gemeinsame Herausforderungen & Chancen“. Nach einer gemeinsamen Überarbeitung begann der Endspurt und wir schrieben die Einleitung und das Fazit. Etwa um 2:30 Uhr hatten wir ein vorläufiges Ergebnis. Sehr erschöpft, aber
zufrieden konnten wir schlafen gehen und ein bisschen Energie für den nächsten Tag tanken.

Im Laufe der Zusammenarbeit merkten wir, wie schwierig es ist, die Situationen in beiden Ländern direkt zu vergleichen und gemeinsame Handlungsempfehlungen zu formulieren. Denn die politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Kontexte in Deutschland und Südkorea sind sehr unterschiedlich. Während Deutschland seit Jahrzehnten ein Einwanderungsland ist, ist Südkorea bisher ein sehr homogenes Land und steht bei dem Thema noch ganz am Anfang. Und während in Südkorea der demografische Wandel stark im öffentlichen Fokus steht, ist das in Deutschland weniger der Fall. Eine zusätzliche Herausforderung war für die koreanischen Teilnehmenden, dass unsere Arbeitssprache in der AG Deutsch war. Ich war wirklich beeindruckt, wie souverän sie auf einer Fremdsprache politisch diskutiert haben. Ich kann mir vorstellen, dass das eine große Herausforderung und Anstrengung war. Dadurch konnten sie sich manchmal nicht so ausdrücken, wie sie es in ihrer Muttersprache gerne getan hätten. Wir von der deutschen Seite haben uns bemüht langsam und deutlich zu sprechen, aber im Eifer der Diskussion, ist das sicherlich teilweise verloren gegangen.

Ich kann nur meine größte Anerkennung dafür aussprechen, mit welcher Bravour die koreanischen Teilnehmenden stundenlang auf deutsch anspruchsvoll diskutiert haben. Ich kann nur meine größte Anerkennung dafür aussprechen, mit welcher Bravour die koreanischen Teilnehmenden stundenlang auf deutsch anspruchsvoll diskutiert haben.Ich kann nur meine größte Anerkennung dafür aussprechen, mit welcher Bravour die koreanischen Teilnehmenden stundenlang auf deutsch anspruchsvoll diskutiert haben. Trotz sprachlicher und kultureller Unterschiede führten wir eine sehr produktive, offene und harmonische Diskussion – dafür bin ich allen Mitgliedern meiner AG sehr dankbar. Nach unseren intensiven Diskussionen einigten wir uns relativ schnell auf drei zentrale Handlungsfelder:

1. Stärkung institutioneller Strukturen
2. Integration durch Interaktion ermöglichen
3. Öffentlichkeitskampagnen, um mehr Bewusstsein für Migration(sgeschichten) zu schaffen

Wir kamen zu dem Ergebnis, dass Migration eine wertvolle Ressource im Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels sein kann – aber nur, wenn sowohl die Bedürfnisse der einheimischen Bevölkerung als auch die der Migrant*innen berücksichtigt werden. Dazu braucht es funktionierende Integrationsstrukturen und ein gesellschaftliches Klima, das Vielfalt als Stärke begreift. Migration gelingt nur durch Integration, Interaktion im Alltag und gegenseitige Anerkennung. So wurde deutlich: Integration ist der Schlüssel, um dem demografischen Wandel mit Hilfe von Migration zu begegnen. Deshalb konnten wir uns gemeinsam darauf einigen unseren Fokus auf das Thema Integration zu legen. Gleichzeitig hielten wir fest, dass Migration keine langfristige Lösung sein kann. Eine zentrale Ursache für den demografischen Wandel sehen wir in tief verwurzelten patriarchalen Strukturen und Geschlechterkonflikten. Da dies jedoch den Rahmen unserer AG gesprengt hätte, konnten wir dieses Thema nur am Rande ansprechen.

Am nächsten Tag, dem 12.09.2025, folgte die letzte Arbeitsphase vor der Präsentation im Seniorforum. Wir finalisierten unsere Texte, übersetzten sie ins Koreanische und unsere beiden Vortragenden Michelle und Seohyeon bereiteten sich auf die Präsentation vor. Nach der Einreichung aller Ergebnisse kehrten wir gemeinsam zum Seniorforum zurück – gespannt, aber auch nervös.

Innerlich fieberten wir alle mit und waren sehr stolz auf Michelle und Seohyeon, die unsere Ergebnisse überzeugend präsentierten. Ich fand es beeindruckend, was wir in so kurzer Zeit aus diesem komplexen Thema erarbeitet haben. Und ebenso spannend war es, von den Ergebnissen der anderen AGs zu hören. Obwohl sich die deutschen und koreanischen Teilnehmenden im Vorfeld des Juniorforums kaum kennenlernen konnten, sind wir innerhalb kürzester Zeit zu einem tollen Team zusammengewachsen. Die Zusammenarbeit war sehr o en und respektvoll und jede*r konnte seine Meinung einbringen und wurde gehört. Dazu hat nicht zuletzt auch unser Mentor Muhong maßgeblich beigetragen, der uns über die gesamte Zeit hinweg unterstützt und begleitet hat. So schön es auch war, so erleichtert waren wir auch, die Präsentation vor dem Seniorforum geschafft zu haben. Es waren zwei sehr intensive, arbeitsreiche Tage mit wenig Schlaf, aber ebenso vielen neuen Erkenntnissen, spannenden Diskussionen und bereichernden Erfahrungen.

Eindrücke von den Eröffnungsreden

Wir sind als Team zusammengewachsen, haben alles gegeben und so geschafft, ein zufriedenstellendes Ergebnis vorzuzeigen.

Das Ende des Seniorforums bedeutete für einige von uns, und auch für mich, leider die Abreise aus Südkorea am nächsten Morgen. Aber die wertvollen Erfahrungen, die ich in unserer AG, beim Juniorforum und in Südkorea sammeln durften, werde ich für immer behalten. Ich bin sehr dankbar, Teil dieser Erfahrung gewesen zu sein und so viele wertvolle Erinnerungen mit nach Deutschland nehmen zu können. Obwohl ich bereits zweimal in Südkorea war, habe ich durch das Juniorforum einen viel tiefergehenden Einblick in das Land, die Kultur und die Politik bekommen. Besonders der Austausch mit den koreanischen Teilnehmenden über ihre Sichtweisen und Erfahrungen war für mich sehr bereichernd.

Panel-Session zum Thema „Politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte der deutsch-koreanischen Zusammenarbeit“

Zwischen den Sessions gab es die Möglichkeit sich auch informell mit den Teilnehmenden des Seniorforums auszutauschen

Diskussions- und Fragerunde