Philipp Meyer studiert Politikwissenschaft im Master an der Leibniz Universität Hannover mit den Schwerpunkten Internationale Beziehungen, Politischer Soziologie und Verwaltungs- wissenschaft.

Juniorforum in Seoul 2025

Ein Bericht aus der Arbeitsgruppe „Arbeitswelt, Soziale Gerechtigkeit & Psychische Gesundheit: Plattformarbeit und Arbeitnehmerrechte“

(von Philipp Meyer)

Das Thema unserer Arbeitsgruppe lautete Arbeitswelt, Soziale Gerechtigkeit & Psychische Gesundheit: Plattformarbeit und Arbeitnehmerrechte. Plattformarbeit stellt eine der markantesten Veränderungen moderner Erwerbsformen dar. Sie eröffnet einerseits neue Möglichkeiten der Beschäftigung und Flexibilität, bringt andererseits aber tiefgreifende soziale, rechtliche und gesundheitliche Herausforderungen mit sich.

Bereits im Vorfeld des Juniorforums setzten sich sowohl die koreanischen als auch die deutschen Teilnehmer der Arbeitsgruppe unter der Anleitung unseres Mentors Prof. Dr. Won-jae Hwang intensiv mit der Thematik auseinander. Besonders prägend war für die deutsche Delegation als auch die deutschen Teilnehmer der Arbeitsgruppe unter der Anleitung unseres Mentors Prof. Dr. Won-jae Hwang intensiv mit der Thematik auseinander. Besonders prägend war für die deutsche Delegation das im Einführungsseminar organisierte Treffen mit Gyo-hyun Koo, dem Vorsitzenden der Rider Union, einem Zusammenschluss von Beschäftigten der Lieferdienstbranche. Dieses Gespräch vermittelte uns einen unmittelbaren Einblick in die Lebens- und Arbeitsrealität koreanischer Plattformarbeiter. Es verdeutlichte die strukturellen Probleme, denen sie tagtäglich begegnen, und zugleich die Ziele, für die sich Organisationen wie die Rider Union einsetzen. Dieser persönliche Input verlieh der anschließenden Gruppenarbeit eine empirische Grundlage und half uns, die Problematik nicht nur theoretisch, sondern auch aus einer sozialpraktischen Perspektive zu verstehen.

Eindrücke aus unseren Arbeits-Sessions

Nicht zuletzt dadurch entstand in der Gruppendynamik schnell ein thematischer Fokus auf Plattformarbeit im Lieferdienstsektor. Diese ist dort in vielen Bereichen weiterhin als kritisches Beschäftigungsverhältnis einzustufen. Sie ist häufig durch fehlende soziale Absicherung, geringe Planungssicherheit und riskante Arbeitsbedingungen geprägt. In Südkorea sind hunderttausende der sogenannten Rider als unabhängige Auftragnehmende eingestuft. Diese Klassifizierung schließt sie faktisch von Sozialversicherungen, Mindestlohnregelungen und Arbeitsschutzbestimmungen aus. Hinzu kommen algorithmische Steuerungssysteme, sogenannte Missions, die Beschäftigte unter erheblichen Zeitdruck setzen und damit zu einer hohen Unfallrate beitragen. Dabei wird ein monetärer Anreiz gesetzt, indem bei schneller Erledigung mehrerer Aufträge innerhalb kurzer Zeitfenster zusätzliche Prämien gezahlt werden. Auch in Deutschland zeigt sich trotz strengerer gesetzlicher Rahmenbedingungen ein vergleichbares Muster.

Gruppenbild

Präsentation unserer Ergebnisse durch Yejin und Cora

Auf dieser Grundlage entwickelte unsere Arbeitsgruppe mehrere Handlungsempfehlungen. Wir plädierten zunächst für eine verstärkte Aufklärung der Beschäftigten, um ein Bewusstsein für Risiken, Rechte und Möglichkeiten der Absicherung zu schaffen. Gleichzeitig sollen staatliche Förderprogramme präventive Maßnahmen unterstützen, insbesondere für Plattformen, die faire Arbeitsbedingungen garantieren. Langfristig erscheint es notwendig, Plattformarbeitende in Systeme sozialer Sicherung zu integrieren – in Deutschland etwa über die Berufsgenossenschaften, in Südkorea durch die Schaffung vergleichbarer Strukturen.

Die Zusammenarbeit innerhalb der Arbeitsgruppe war von Beginn an durch eine respektvolle und offene Diskussionskultur geprägt. Da die inhaltliche Positionierung weitgehend geteilt wurde, standen weniger kontroverse Grundsatzfragen im Mittelpunkt als vielmehr die konkrete Ausgestaltung möglicher Lösungsansätze. Die Diskussionen bewegten sich folglich nicht entlang des Ob, sondern entlang des Wie. Trotz kleiner Unterschiede in der Arbeitsweise, insbesondere durch die Nutzung von Deutsch als Arbeitssprache, war die Kooperation von einem ausgeprägten Teamgeist getragen. Während die deutschen Teilnehmer häufiger inhaltliche Beiträge formulierten, übernahmen die koreanische Delegation vielfach organisatorische und visuelle Aufgaben, wie die Erstellung der Präsentation. Entscheidungen wurden gemeinschaftlich getroffen, was zu einem ausgewogenen und kollegialen Arbeitsklima beitrug.

Ich konnte aus dieser Erfahrung vielfältige Erkenntnisse gewinnen, sowohl inhaltlich als auch methodisch. Besonders eindrücklich war für mich, wie eng Fragen sozialer Gerechtigkeit, Arbeitsschutz und psychische Gesundheit miteinander verflochten sind. Ebenso habe ich gelernt, dass erfolgreiche internationale Zusammenarbeit nicht allein von Fachwissen abhängt, sondern vor allem von interkulturellem Verständnis, Geduld und gegenseitigem Respekt. Diese Erfahrung hat mir verdeutlicht, dass faire Arbeitsbedingungen und soziale Absicherung grundlegende Voraussetzungen für eine gerechte und zukunftsfähige Arbeitswelt sind.

Eröffnung und Panelsession des 23. Deutsch-Koreanischen Forums und 13. Deutsch-Koreanischen Juniorforums

Nachdem wir bereits am Abend des 10. September am Welcome Dinner des 23. Deutsch-Koreanischen Forums und des 13. Juniorforums teilnehmen konnten und dabei einen ersten Eindruck davon gewannen, was uns in den kommenden Tagen erwarten würde, begann das eigentliche Programm des Juniorforums am Morgen des 11. September. Gemeinsam fuhren die Teilnehmer in gemischten Gruppen, aufgeteilt nach Arbeitsgruppen, mit Mietbussen vom Hotel zur Veranstaltungsstätte im Grand InterContinental Seoul Parnas. Trotz des morgendlichen Berufsverkehrs in Gangnam bot die Fahrt ausreichend Gelegenheit, sich mit den koreanischen Teilnehmern auszutauschen und die ersten persönlichen Gespräche zu vertiefen. Die Atmosphäre war geprägt von positiver Anspannung und spürbarer Neugier auf die bevorstehenden Programmpunkte. Da wir die Location etwas früher erreichten, ergab sich noch die Möglichkeit, informell mit Teilnehmenden des Seniorforums ins Gespräch zu kommen. Die Mitglieder unserer Gruppe kannten bereits viele der deutschen Delegierten des Seniorforums aus dem Einführungsseminar, insbesondere aus den gemeinsamen Besuchen des Aegibong Peace Ecoparks sowie der Veranstaltung „Zukunftswerkstatt 2035“ im Goethe-Institut. Dadurch entstand eine vertraute und offene Stimmung, die den Einstieg in das Forum erleichterte und eine gute Grundlage für die folgenden Arbeitstage bildete.

Die offizielle Eröffnung des Forums erfolgte anschließend mit Begrüßungsworten von Gheewhan Kim, dem Präsidenten der Korea Foundation, von Young-Jin Kim, dem Präsidenten der Koreanisch-Deutschen Gesellschaft, sowie von Martin Dulig, dem deutschen Co-Vorsitzenden des Deutsch-Koreanischen Forums. Nach den Redebeiträgen und einem gemeinsamen Gruppenfoto begann die erste Panel-Session zum Thema ‚Politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte der deutsch-koreanischen Zusammenarbeit‘. Geleitet wurde das Panel von Prof. Dr. Sun-Uk Kim von der Ewha Womans University. Als Referenten nahmen Jörn Beißert von der Deutschen Botschaft in Seoul sowie der ehemalige südkoreanische Außenminister Jin Park teil. In den Beiträgen wurden zentrale Fragen der bilateralen Beziehungen behandelt, darunter sicherheitspolitische Herausforderungen, wirtschaftliche Kooperationsfelder und aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen in beiden Ländern. Besonders aufschlussreich war der Austausch über das zunehmende Erstarken politischer Extreme, das sowohl in Deutschland als auch in Südkorea zu beobachten ist. Nach den Impulsvorträgen der Referenten folgte eine offene Diskussionsrunde, in der zunächst die Teilnehmenden des Seniorforums Stellung nahmen. Abschließend erhielten auch Vertreterinnen und Vertreter des Juniorforums Gelegenheit, ihre Perspektiven einzubringen; eine Möglichkeit, die sowohl von der deutschen als auch von der koreanischen Seite engagiert genutzt wurde.

Eindrücke von den Eröffnungsreden

Ich selbst war von der professionellen und zugleich konzentrierten Atmosphäre des Forums beeindruckt. Die Diskussionsbeiträge der Referenten und Teilnehmenden des Seniorforums waren anspruchsvoll und gaben einen tiefen Einblick in relevante politische und gesellschaftliche Fragestellungen. Für uns als Teilnehmende des Juniorforums war diese erste Sitzung vor allem eine Gelegenheit, zuzuhören, Eindrücke zu sammeln und die Dynamik eines solchen hochrangigen Austauschs zu erleben. Auch wenn die Möglichkeit zur eigenen Wortmeldung dadurch nur begrenzt bestand, war es gerade diese Beobachterrolle, die wertvoll war. Sie erlaubte uns, unterschiedliche Kommunikationsstile wahrzunehmen und zu verstehen, wie die Gesprächsführung in einem internationalen Kontext funktioniert. Für mich persönlich war dies eine prägende Erfahrung, weil sie zeigte, wie sorgfältig Argumente in einem politischen Dialog aufgebaut und vermittelt werden. Bemerkenswert war zudem die sprachliche Gestaltung der Veranstaltung: Sämtliche Redner trugen ihre Beiträge in ihrer jeweiligen Muttersprache vor, und auch die anschließenden Fragen wurden in diesen Sprachen gestellt. Dank des Simultandolmetschens konnten alle Anwesenden die Inhalte nahezu zeitgleich verfolgen, einschließlich vieler sprachlicher Feinheiten. Dennoch wurde spürbar, dass manche Nuancen in der Übersetzung zwangsläufig verloren gingen. Insgesamt vermittelte die Sitzung einen realistischen Eindruck davon, wie komplex interkulturelle Kommunikation in formellen politischen Kontexten sein kann. Abschließend lässt sich festhalten, dass innerhalb der Gruppe der Juniorforumsteilnehmern nach dieser ersten Sitzung eine spürbare Motivation entstand, die eigenen Arbeitsgruppen mit Energie und Engagement voranzutreiben und so selbst einen Beitrag zum Gelingen des Forums zu leisten.

Panel-Session zum Thema „Politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte der deutsch-koreanischen Zusammenarbeit“

Zwischen den Sessions gab es die Möglichkeit sich auch informell mit den Teilnehmenden des Seniorforums auszutauschen

Diskussions- und Fragerunde