Juniorforum in Seoul 2025
Ein Bericht aus der Arbeitsgruppe „Demokratie & Polarisierung“
(von Johanna Lander)
Die Arbeit der Gruppe 5 zum Thema Politik in Deutschland und Korea begann bereits vorab im Rahmen des Juniorforums über Zoom und erstreckte sich von August bis September. Dazu zählten die Kommunikation über Kakaotalk, zwei externe Zoom-Treffen zur Ideensammlung und zum Austausch zwischen der koreanischen und der deutschen Seite sowie schließlich das persönliche Zusammentreffen in Südkorea auf dem Forum selbst, begleitet von unserer Mentorin, und die Präsentation der Ergebnisse auf dem Seniorforum.
Das Aufgabenfeld unserer Gruppe war es, die jeweilige politische Lage in beiden Ländern zu erforschen und einordnen zu können, um im Hinblick auf mögliche Kooperationen Empfehlungen zur Stärkung der Demokratie, des demokratischen Verständnisses und Bewusstseins zu entwickeln. Zudem sollten Maßnahmen erarbeitet werden, um Polarisierung entgegenzuwirken. Da die Teilnehmenden aus sehr unterschiedlichen Bereichen kamen, stand die Gruppe häufig vor der Herausforderung, verschiedene Stimmen und Meinungen zusammenzuführen und einen gemeinsamen Weg zu finden – insbesondere im Bereich der Politik. Was dem einen problematisch erschien, wurde vom anderen durchaus als Chance für das jeweilige Land gesehen.
Eindrücke aus unseren Arbeits-Sessions
Wir als Gruppe haben uns unter anderem folgender Leitfrage gewidmet: Wie wirken wir dem weltweiten Trend der politischen Polarisierung entgegen, und welche Chancen sehen wir in der Demokratieförderung in beiden Ländern? Dabei entwickelten wir verschiedene Diskussionsthemen und Lösungsvorschläge. Dazu gehörte beispielsweise ein Hackathon, bei dem Schülerinnen und Schüler innerhalb kürzester Zeit gemeinsam ein politisches Problem bearbeiten und Lösungsideen entwickeln sollen, wobei das jeweils beste Team ausgezeichnet wird. Ein weiteres Thema war die aktuelle Einführung von Al-Schulbüchern in Südkorea und die Frage, welchen Einfluss solche Investitionen auf die politische Bildung haben könnten. Darüber hinaus diskutierten wir die Rolle von YouTubern und Influencern im politischen Bereich sowie die Notwendigkeit, Schülerinnen und Schüler in der Lage zu versetzen, Medieninhalte kritisch einzuordnen.

Gruppenbild
Präsentation unserer Ergebnisse durch Johanna und …
Ein zentrales Thema war außerdem das politische Vertrauen in beiden Ländern und die Frage, wie dieses Vertrauen – oder eben Misstrauen – die politische Bildung unterschiedlich beeinflusst. Ein besonders großes Interesse der koreanischen Delegation galt dabei der AfD und deren Radikalisierung sowie dem Umstand, dass sie bei den letzten Wahlen über 20 % der Stimmen erreichen konnte. Hier zeigte sich, dass die koreanischen Teilnehmenden stark an der deutschen Erfahrung mit Radikalisierung, politischer Bildung und insbesondere am Modell des Wahl-O-Mat interessiert waren. Auf deutscher Seite wiederum lag das Interesse besonders auf dem politischen Misstrauen in Korea, Amtsenthebungen, regionalen Differenzierungen sowie kulturell-politischen Aspekten.
Wir stellten schließlich fest, dass sich Deutschland und Südkorea in mehreren Punkten ähneln: politisch beeinflusste regionale Unterschiede, Media Literacy, Algorithmen und deren Transparenz, Generationenkonflikte, politisches Desinteresse sowie nicht- inklusive Politik. Aufbauend darauf entwickelten wir Lösungsansätze, wobei sich zeigte, dass es sehr schwierig ist, eine identische Lösung für beide Länder zu finden. Gerade darüber führten wir intensive Diskussionen – teils bis tief in die Nacht des Seniorforums.
Die Atmosphäre während der Diskussionen empfanden wir insgesamt als sehr wertschätzend. Alle hörten einander aufmerksam zu und bemühten sich, gemeinsam Kompromisse und einen Mittelweg zu finden. Besonders positiv fiel die Zusammenarbeit an der Präsentation und am Policy Paper auf. Dabei zeigte sich aber auch, dass eine klare Arbeitsteilung und Koordination innerhalb der Gruppe entscheidend sind, um reibungslos voranzukommen. Natürlich verlief das Projekt nicht völlig ohne Reibungen – Zeitmangel und Müdigkeit machten sich bemerkbar – , doch am Ende des Tages funktionierte das Team sehr gut zusammen, und es entstanden spannende neue Impulse für die deutsch-koreanischen politischen Beziehungen.
Mir persönlich gefiel besonders die offene Diskussionskultur, die trotz unterschiedlicher kultureller und politischer Hintergründe von Respekt und Neugier geprägt war. Viele Gespräche gaben mir zudem die Möglichkeit, Einblicke in das politische Denken und die gesellschaftlichen Herausforderungen in Korea zu erhalten – etwa das Thema Amtsenthebungen, die Rolle von regionalen Differenzen oder die Wahrnehmung von Politikerinnen und Politikern in der Bevölkerung. Umgekehrt hatte ich den Eindruck, dass deutsche Perspektiven, etwa zu Fragen der politischen Bildung, großen Anklang fanden.
So entstand ein lebendiger Austausch, der mir neue Anknüpfungspunkte für mein eigenes Verständnis der koreanischen Gesellschaft und für mögliche künftige Kooperationen eröffnete.
Eindrücke von den Eröffnungsreden
Panel-Session zum Thema „Politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte der deutsch-koreanischen Zusammenarbeit“
Zwischen den Sessions gab es die Möglichkeit sich auch informell mit den Teilnehmenden des Seniorforums auszutauschen
Diskussions- und Fragerunde




























