
(von Miranda Frölich)
Die Studienreise begann mit der Ankunft am Flughafen Incheon und der Fahrt nach Seoul. Hauptsächlich befanden sich die meisten Ansprechpartner in Seoul oder dessen Einzugsbereiche – eine Metropole, welche die Ergebnisse unserer Reise durchaus prägt hat.
Dienstag
Am Dienstag morgen begann die Reise mit einer Exkursion nach Anyang. Dort trafen wir Eugene Lee, den Public Relations Vertreter von Hyodol. Ein Unternehmen, welches ich auch in meiner Bewerbung zum Thema altersgerechtes Wohnen bereits vorgestellt hatte. Hyodol ist ein siebenjahre altes Unternehmen und gilt als Pionier in Sachen KI-bestückte Begleitroboter für Senioren.
Das Produkt von Hyodol besteht aus einer Kombination dreier Bestandteile: Einmal eine Puppe mit elektronischen Bestandteilen wie einem Drücksensor. Zweitens eine App für das Handy, die die aufgenommenen Informationen der Puppe in Echtzeit speichert und Angehörige die Puppe steuern lässt. Und drittens ein Monitoring-System, welches der lokalen Verwaltung zur Verfügung steht, um einen Überblick von ihren älteren Bürgern zu haben.
Die Puppe dient als Gefährte für alleinlebende Senioren, erinnert an Medikamente und kann unter Anderem mithilfe von KI Unterhaltungen führen. Aktuelle Modelle der zweiten Generationen sprechen mit der Stimme eines 7-jährigen Kindes aber zukünftige Modelle sollen die Stimmen Angehöriger simulieren können. Um die Privatsphäre der nutzenden Senioren zu berücksichtigen, verfügt die Puppe nicht über eine Kamera, sondern einen Radar, der die Bewegungsmuster der Senioren scannt. Im Notfall gibt es auch die Möglichkeit die 24/7 Hotline von Hyodol zu kontaktieren. Herr Lee betonte, dass die verschiedenen Interaktionsmöglichkeiten mit der Puppe in internen Studien Depressionen minimieren und auch das Risiko für Depressionen senkt.
Unsere Termine bei NewWays und der SNU Graduate School of Public Health
Hierbei ist zu erwähnen, dass beim dritten Termin am Dienstag Prof. Hongsu Kim von der SNU Graduate School of Public Health diese Ergebnisse in Kontext setzte. Denn es gibt weder unabhängige Studien noch Langzeitstudien zu den psychologischen Effekten der alltagsbegleitenden KI-Roboter. Ihre Einordnung zur aktuellen Lage in Südkorea zu Demographie und Gesundheit, dienten als Basis für die folgenden Termine.
Vorher waren wir noch bei der NGO NewWays, die es sich zur Aufgabe gemacht haben die junge Generation politisch zu bilden und zu vernetzen.
Mittwoch
Mittwoch morgen begann früh mit einer Autobahnfahrt nach Sejong. Sejong ist eine Planstadt, die in vor 25 Jahren erbaut wurde, um den Regierungsapparat in mehr ländlich Gebiete außerhalb von Seoul umzusiedeln. Daher hatten wir dort die Gelegenheit drei Researcher vom Korean Institute for Health and Social Affairs zu treffen, deren Recherche sich auf Rentensysteme, Ageing-Policies und den Wohnungsmarkt fokussierte. Für mein Thema stellte sich dabei raus, dass Rentner eine besonders gefährdete Gruppe auf dem Wohnungsmarkt sind. Viele Rentner wohnen in sogenannten Jjokbangs oder Gosiwons, wobei es sich um sehr kleine, rudimentäre Behausungen handelt, und haben keine besseren Alternativen, da sie ohne Adresse obdachlos wären und keine Sozialhilfe beantragen könnten.
Im Anschluss fuhren wir weiter nach Jeonju für einen Besuch beim National Pension Service. Der NPS bestimmt den Großteil der Altersvorsorge der südkoreanischen Bevölkerung. Der Besuch war unfassbar informativ, da uns das koreanische Rentensystem von Grund auf erklärt wurde und auch parallel die Mängel aufgezeigt wurden. Unser Ansprechpartner Dr. Hyungyung Moon betonte auch, dass es nach unterschiedlichen Hochrechnungen die südkoreanischen Rentenkasse schon in 25 Jahren ausgeschöpft sein wird und eine hohe Dringlichkeit besteht das Rentensystem zu reformieren. Bei diesem Besuch ist das Ausmaß der Problematik klar geworden, da wir die Zahlen und deren Dimension präsentiert bekommen haben.
Donnerstag
Am darauffolgenden Tag sprachen wir beim ersten Termin mit Schülerinnen der Ewha Girls High School. Wir wollten die Perspektive von jungen Menschen hören und mehr über deren Wissenstand zum demographischen Wandel erfahren. Nach dem Schülergespräch bekamen wir noch eine Führung durch die Schule. Uns wurde sowohl das Denkmal als auch die Ausstellung zur Widerstandskämpferin Yu Gwan Su gezeigt, die selbst Schülerin der Ewha war.
Wir hatten auch eine Zusage für ein Gespräch mit dem Presidential Committee of Aging Society and Pension Policies erhalten. Hier erhielten wir Einblicke auf die Arbeit der aktuellen Regierung und die Informationen auf deren Basis dort neue Lösungsansätze entwickelt werden. Viele Fakten, die wir bei vorigen Terminen gehört hatten, konnten wir bei diesem Termin bestätigen und weiter vertiefen.

Hier stehen wir vor dem Gebäude des National Pension Service
Unsere Termine bei der Ewha Girls Highschool, dem PCASPP und der Korea Times
Was mich hier am meisten beeindruckte, ist, dass das Committee zwar bereits bilaterale Gespräche mit Japan zu zum Beispiel dem Thema der alternden Gesellschaft geführt hat, doch wir die erste europäische Delegation waren, die bei ihnen zu Besuch war.
Am Abend hatten wir ein durchaus erkenntnisreiches Gespräch mit vier Journalistinnen von der Korea Times. Während der Gespräche kamen viele verschiedene gesellschaftliche Themen auf wie Feminismus, Geschlechterpolitik, Protestkultur in Südkorea und Ableismus. Ein gemeinsames Abendessen ermöglichte es uns auch nochmal persönlicher mit den Journalistinnen zu sprechen und die Situation in Südkorea mit Deutschland zu vergleichen. Der Austausch gab uns die Chance, die persönliche Meinung von Koreanerinnen im aktuellen politischen Klima in Südkorea kennenzulernen.
Freitag
Der letzte offizielle Programmtag begann mit einem Besuch im Harmony Tagespflegecenter. Hierbei ergab sich die Möglichkeit mit alten pflegebedürftigen Menschen und deren Pflegern direkt zu sprechen. Diese Einblicke waren besonders wertvoll, da sich in Südkorea auch ein Pflegefachkräftemangel anbahnt und wir hören durften wie alte Menschen die Lage ihres Landes selbst anhand ihrer eigenen Situation einschätzen.
Zum Mittagessen trafen wir uns mit jungen Müttern und einer Mutter eines schon erwachsenen Sohnes, die in einem Hagwon arbeitet. Durch ihren Beruf erhielten wir auch Einblicke in die Lernkultur von Korea, die vor allem die junge Generation prägt. Der letzte offizielle Termin war mit einem Researcher vom KDI, der uns bei sich zuhause empfing und mit uns ein langes Gespräch über die Arbeitssituation von älteren Menschen in Südkorea führte.
Anschließend ließen wir den Abend beim Adeko Oktoberfest ausklingen, bei dem wir Netzwerken konnten. Bei einem der Gespräche kam die Verdrängungen von alten Menschen als Mieter zur Sprache, anscheinend werden Stadtteile von Investoren mit dem Ausbau des ÖPNVs und Shoppingmalls neu erschlossen. So werden ältere Mieter durch steigende Mieten verdrängt.
Samstag
Am Samstag besprachen wir gemeinsam unsere gesammelten Informationen und verglichen unsere Erkenntnisse, um sie dann in die Kamera im Changgyeonggung Palast zu sprechen. Auch an diesem Abend trafen wir uns dann zu einem gemeinsamen Abendessen, diesmal mit den ortsansässigen Netzwerkmitgliedern. Im gesamten Reiseverlauf hatten wir die Möglichkeit mit vielen verschiedenen Personen verschiedener Generationen zu sprechen: Einige die sich auf beruflicher Ebene mit dem Thema Generationengerechtigkeit auseinandergesetzt haben oder auch welche, die durch ihre Lebenserfahrung mit uns über zusammenhängende Thematiken ihre Meinungen teilten.
Die Studienreise, die jedes Jahr vom Netzwerk organisiert wird, bot uns Clara Andrea, David Entsfellner, Eun-A Ko, Miranda Frölich, Sophia Müller und Paula Schipper, die Möglichkeit Korea auf einer tieferen Ebene kennenzulernen. Die Reise hat uns sechs als Team zusammenwachsen lassen und wir haben alle etwas für unseres restliches Leben gelernt. Wir sind dankbar diese Erfahrung gemacht haben zu dürfen und ermutigen auch andere sich der Recherche in Korea zu widmen.













































