Panel-Talk mit Oliver Stirböck, MdL & Byong-Hak Kim, Director bei Robert Bosch GmbH

AG KI in der Arbeitswelt – Zukunftsperspektiven für die junge Generation

(Workshopleiter und Text: Patrick Becker)

Einleitung

Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt rasant und stellt Gesellschaft, Wirtschaft und Politik vor neue Herausforderungen. Für die junge Generation bedeutet dies nicht nur technologische Umstellungen, sondern auch tiefgreifende Veränderungen beruflicher Perspektiven. Zentral ist die Frage, wie sich Berufsbilder durch KI wandeln, welche Kompetenzen künftig gefragt sind und wie ein gerechter Übergang gestaltet werden kann. Die Arbeitsgruppe „KI in der Arbeitswelt – Zukunftsperspektiven für die junge Generation“ beschäftigte sich im Rahmen des deutsch-koreanischen Workshops „KI verstehen, Zukunft bewegen“ intensiv mit diesen Themen. Ziel war es, die Rolle junger Menschen im KI-Zeitalter zu reflektieren und gemeinsam Ideen für eine verantwortungsvolle Arbeitswelt zu entwickeln. Neben technischen Aspekten standen ethische, soziale und kulturelle Fragen im Fokus. Der interkulturelle Austausch eröffnete neue Perspektiven und bot Raum für die Entwicklung konkreter Thesen zur Zukunft der Arbeit.

Inhalte der Diskussion

Die Diskussion begann mit einer Sammlung von Argumenten für und gegen den Einsatz von KI in der Arbeitswelt. Daraus entstanden Leitfragen, die die gesellschaftliche Relevanz und die Auswirkungen auf verschiedene Berufsfelder beleuchteten. Vier zentrale Themenfelder wurden identifiziert: Leistungsaspekte, Rolle von Arbeit, Missbrauchspotenziale seitens der Arbeitgeber und Abhängigkeit von KI aus Sicht der Arbeitnehmer. Die Gespräche waren geprägt von unterschiedlichen Meinungen, bedingt durch die internationale und interdisziplinäre Zusammensetzung der Gruppe. Einigkeit bestand darin, dass KI, Prozesse effizienter gestalten kann, gleichzeitig aber Risiken birgt, etwa durch Wegfall von Tätigkeiten oder neue Formen der Kontrolle. Digitale Kompetenzen, kritisches Denken und lebenslanges Lernen wurden als Schlüssel für erfolgreiche Anpassung genannt. Unterschiede zeigten sich bei der Einschätzung, wie stark Politik und Wirtschaft den Wandel steuern sollten. Die Diskussion machte deutlich, dass vielfältige Sichtweisen nötig sind, um tragfähige und gerechte Lösungen zu entwickeln.

Inhalte des Expertengesprächs

Im Gespräch mit Noh Se-ri vom Korea Labor Institute wurden zentrale Herausforderungen und Perspektiven von KI in der Arbeitswelt beleuchtet. Besonders diskutiert wurde, wie stark KI bereits die Arbeitswelt in Korea beeinflusst und welche Entwicklungen künftig zu erwarten sind. Rund 40 % der Jobs sind einem hohen Automatisierungsrisiko ausgesetzt, da über 70 % ihrer Aufgaben durch KI übernommen werden könnten. Prognosen zeigen, dass bis 2030 bis zu 90 % der Tätigkeiten in 90 % der Berufsfelder automatisierbar sein könnten. Gleichzeitig eröffnet Automatisierung Chancen, etwa durch Entlastung von Routinetätigkeiten und stärkere Fokussierung auf kreative, zwischenmenschliche und strategische Aufgaben. Klar wurde, dass enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und Bildung notwendig ist, um den Wandel gerecht zu gestalten und Potenziale von KI sinnvoll zu nutzen. Die Teilnehmenden nahmen viele Impulse mit, die in der Gruppenarbeit weiter diskutiert wurden.

Gruppenfoto auf der Terrasse der Frankfurt School of Finance & Management

Unser Zoom-Gespräch mit Noh Se-ri vom Korea Labor Institute

Mittagessen in der Mensa

Abschlussdiskussion & Thesen

Thesen:

  • Missbrauch durch Arbeitgeber: „Die Nutzung von KI durch Arbeitgeber birgt ein hohes Missbrauchsrisiko, um eigene Interessen zu verfolgen.“
  • Rolle der Arbeit: „KI besitzt das Potenzial, fundamental die Bedeutung von Arbeit innerhalb unserer Gesellschaft zu transformieren.“
  • Leistung: „Wer in der modernen Arbeitsumgebung keine KI verwendet, wird den Erwartungen des Arbeitsmarkts nicht mehr gerecht.“
  • Abhängigkeit: „Arbeitnehmer verlassen sich zu sehr auf KI, sodass kritisches Denken und Lösungsfindung verloren gehen können.“

Inhalte der Abschlussdiskussion:
Die Abschlussdiskussion griff die Thesen auf. Intensiv wurde über das Spannungsfeld zwischen Effizienz und Verantwortung gesprochen. KI eröffnet neue Möglichkeiten durch Automatisierung und datenbasierte Entscheidungen, gleichzeitig wurde kritisch hinterfragt, wie Unternehmen KI zur Kontrolle und Steuerung der Mitarbeitenden einsetzen könnten. Die Rolle der Arbeit wurde diskutiert – nicht nur hinsichtlich veränderter Tätigkeiten, sondern auch in Bezug auf gesellschaftliche Bedeutung. Innerhalb der Gruppe gab es unterschiedliche Auffassungen: Einige sahen in KI eine Chance, Arbeit neu als sinnstiftend zu definieren, andere betonten, dass die Richtung der Veränderung offenbleibt. Auch beim Thema Leistung gab es Kontroversen: Während einige überzeugt waren, dass Unternehmen ohne KI nicht wettbewerbsfähig sind, zweifelten andere, ob KI allein die Attraktivität am Arbeitsmarkt bestimmt. Diese Debatte konnte anschließend bei Gesprächen beim Abendessen oder im weiteren Verlauf des Abends noch vertieft werden und mit Sicherheit konnten alle Teilnehmenden neue Impulse mitnehmen. Die Diskussion machte deutlich, dass vielfältige Sichtweisen nötig sind und alle Stimmen gehört werden sollten, insbesondere bei einem so transformativen Thema, wie KI.

Persönliche Eindrücke

Die Diskussion zeigte, wie vielfältig die Perspektiven auf KI in der Arbeitswelt sind und wie wichtig es ist, dass junge Menschen ihre Stimme einbringen. Ich habe viele neue Denkanstöße erhalten und habe mich besonders darüber gefreut, dass der Workshop an meiner ehemaligen Uni stattfinden konnte.