(Von Yannik Uhlenkotte)

Die Citizen’s Alliance für die Menschenrechte in Nordkorea (NKHR) wurde am 4. Mai 1996 in Seoul gegründet und ist die erste Organisation weltweit, die sich mit Menschenrechtsfragen in Nordkorea befasst. NKHR versucht, die täglichen Menschen-rechtsverletzungen in Nordkorea zu thema-tisieren und in den öffentlichen Diskurs zu bringen. Nicht nur auf nationaler Ebene kritisiert die Organisation die Umstände, unter denen die nordkoreanische Bevölkerung zu leiden hat, sondern versucht die NKHR ebenfalls, die Vereinten Nationen auf das Problem aufmerksam zu machen. Weiter-führend sind die Unterstützung der nord-koreanischen Flüchtlingshilfe und die Bereit-stellung von Ansiedlungsprogrammen für nordkoreanische übergelaufene Jugendliche in Korea und Förderung nordkoreanischer übergelaufener Studenten in Führungs-positionen Kernelemente der Institution.

Um mehr über die gegenwärtige Situation der Menschen in Nordkorea, den Geflüchteten und die Unterstützungsprojekte zu erfahren, nahm die Studienreisegruppe an dem Programm von Miri Cha und ihrem Team teil. Die Ausstellung und der Escape-Room wurden vor dem Rathaus in Incheon errichtet, um die Aufmerksamkeit möglichst vieler Passantinnen und Passanten zu erregen. Während die Ausstellung sich aus einer Vielzahl an Informationstafeln, Grafiken und einem zugehörigen Quiz zusammensetzte, bot der Escape-Room die Möglichkeit, sich in die fiktive Geschichte eines Mädchens und ihrer Familie zu versetzen und mehr über die grausamen Umstände und die Beweggründe der Flucht zu erfahren.

Aufgrund der Gruppengröße teilten wir uns auf und während die erste Gruppe sich in den Escape-Room begab, konnten sich die anderen beiden Gruppen mit der Ausstellung vertraut machen. Da die Ausstellung sowohl auf Koreanisch als auch auf Englisch zur Verfügung stand, konnten wir die Informationstafeln leicht verstehen und uns die tragischen Geschichten der aufgeführten Personen bewusst machen. Die schmerzhafte Realitäten der gezeigten Personen lösten bedrückte Gefühle aus und reichten von der politischen Gefangenschaft, Hungersnot und Folter in Nordkorea selbst bis zu Entführungen von Staatsbürgern und Staatsbürgerinnen aus anderen Ländern. Allein der (mutmaßliche) Versuch aus Nordkorea zu entfliehen, ist dort ein Verbrechen, dass mit Folter, Zwangsarbeit und Arrest bestraft wird. Trotzdem versuchen immer wieder Menschen dem Hunger und den Gräueltaten zu entkommen, obwohl ihnen bei dem Fehlschlag der Flucht solche menschenverachtenden Konsequenzen drohen.

Doch selbst das erfolgreiche Überqueren der nordkoreanischen Grenze ist bei weitem leider keine Garantie für die Sicherheit der Geflüchteten, denn Menschenhandel und Vergewaltigungen sind weitere Gefahren, denen insbesondere Frauen und Kinder gegenüberstehen. Werden die Geflüchteten von chinesischen Beamten gefasst, so werden sie ebenfalls zurück nach Nordkorea deportiert, wo sie schließlich Folter und Zwangsarbeit erwartet. Die Tatsache, dass Menschen trotz dieser Aussichten einen Fluchtversuch wagen, sollte ein mahnender Indikator für die Umstände in Nordkorea sein und die Wichtigkeit von Organisationen – wie der NKHR – aufzeigen.

Die Idee einen Escape-Room zu einem so ernsten und relevanten Thema wie der Geschichte einer Geflüchteten aus Nordkorea zu kreieren, wirkte auf einige Teilnehmende der Reisegruppe zunächst sehr befremdlich, da dies sich von der gängigen Herangehensweise an derartige Themen in Deutschland stark unterschied. Der Gedanke, aus einer gefährlichen Situation (die heute nach wie vor triste Realität für viele Menschen ist) ein Spiel zu machen, wirkte abstrakt, doch wir ließen uns alle darauf ein. Während die Rätsel selbst sehr interessant und ansprechend waren, ließ einen die begleitende Geschichte des kleinen Mädchens und ihrer Familie auf der Flucht vor der nordkoreanischen Polizei stets ein unwohles Gefühl. Die Geräusche von Pistolenschüssen, die Stimmen der Verfolger und fallende Gegenstände gepaart mit dem Zeitdruck durch das Spiel ergaben eine Erfahrung, die die Ernsthaftigkeit der Situation hervorhob und gleichzeitig auf die Grausamkeit der Flucht aufmerksam machte.

Nachdem alle Gruppen das Programm durchlaufen hatten, trafen wir uns mit Miri Cha und ihrem Team zum gemeinsamen Essen und um ihr noch einige Fragen zu ihrer Arbeit und der Situation in Nordkorea zu stellen. Uns wurde hierbei erklärt, welche Maßnahmen Südkorea für die Integration von nordkoreanischen Geflüchteten ergreift und inwiefern diese noch verbessert werden könnten. Da Deutschland ebenfalls ein Land ist, das Geflüchtete aufnimmt, war es möglich, Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Unterbringungsprozess und der Integration zu erkennen.

Die Arbeit der NKHR brachte der Studienreisegruppe ein tieferes Verständnis für die alltäglichen Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea und daran gebundenen Schicksale so vieler Menschen. Miri Cha und ihr Team zeigten uns eine neue Herangehensweise zur Aufklärung über die Missstände in Nordkorea und verdienen höchsten Respekt für ihre Arbeit, insbesondere da sie sich hierfür auch selbst in Gefahr begeben.