Projekt Beschreibung

Die Fragen stellte Paul Schönewald, Arbeitsgruppe externe Kommunikation des Netzwerks Junge Generation Deutschland-Korea

Allgemeines:

1. Welche Position nehmen Sie an der Freien Universität Berlin ein und welche Aufgaben
gehören dazu?

Ich bin Leiterin des Instituts für Koreastudien und Direktorin der Graduate School of East Asien Studies.
Zu meinen Aufgaben gehören neben der Forschung und Lehre auch die Leitung des Instituts und der Graduate School, d.h. Planung für die Entwicklung des Instituts und der Graduate School, Auswahl der PhD-Kandidaten und Postdoc-Fellows an der Graduate School.

2. Wo liegt Ihr Forschungsschwerpunkt?

Meine Forschungsschwerpunkte sind interkulturelle Ideengeschichte, Politische Theorie, Transformation sowie Politik und Kultur Koreas

3. Wie kam es, dass Sie sich für eine Tätigkeit in Deutschland entschieden haben?

Hintereinander erhielt ich ein Fellowship der Alexander von Humboldt Stiftung und das Habilitationsstipendium des Landes Sachsen-Anhalt. Nach der Habilitation war es klar, dass ich in meiner geistigen Heimat Deutschland arbeiten werde.

Kulturelles:

4. Was ist für Sie typisch deutsch?

Ich versuche meinen Studenten beizubringen, nicht „kulturalistisch“ zu denken und vor allem jede Art von Klischee kritisch zu betrachten. Daher werde ich diese Frage nicht beantworten. Es gibt weder „typisch deutsch“ noch „typisch koreanisch“. Der Mensch, die Gesellschaft und die Kultur ändern sich stets.

5. Was ist für Sie typisch koreanisch?

Gleiche Antwort wie 4.

Bildung:

6. Wo sehen Sie die größten Unterschiede zwischen Deutschland und Südkorea bezüglich
des Bildungssystems?

Die Bedeutung des „Studiums an der Universität bzw. College“

7. Gibt es Ihrer Auffassung nach Unterschiede zwischen koreanischen und deutschen
Studenten, wenn ja welche?

Für koreanische Studenten ist es absolut selbstverständlich, dass man das Studium abschließt, während in Deutschland über 30% der Studienanfänger das Studium abbricht.

Beziehung Süd- und Nordkorea:

8. Was wünschen Sie sich für die Zukunft hinsichtlich der Beziehung zwischen Süd- und
Nordkorea?

Etablierung von Frieden und Dialog.

9. Da Sie Deutschland gut kennen. Welche Rolle sollte Deutschland innerhalb des
Annäherungsprozesses zwischen Süd- und Nordkorea einnehmen?

Deutschland hatte lange Zeit versucht, südkoreanische Politiker über die Notwendigkeit der Politik der kleinen Schritte zu überzeugen. Aber seitdem die südkoreanische Regierung tatsächlich diese Politik umzusetzen versucht, hält die Bundesregierung Distanz davon und beharrt auf Sanktionspolitik. Es wäre sicher für den Annährungsprozess zwischen Nord- und Südkorea hilfreich, wenn Deutschland die alte Position wieder einnimmt und die Politik der kleinen Schritte der südkoreanischen Regierung unterstützen würde.

Aussicht:

10. Wo sehen Sie die Rolle der Jugend in Hinblick auf die Zukunft der deutsch-koreanischen
Beziehungen?

Ich wünsche mir, dass die Jugend Deutschlands sich mehr für Frieden auf der koreanischen Halbinsel engagieren würde. Nicht nur Menschenrechtsfragen sind wichtig, sondern auch die Frage der Etablierung von Frieden. Die Bereitschaft, auch mit den Jugendlichen in Nordkorea Dialog zu führen, wäre dafür sicher hilfreich.